Die Bordkasse auf dem Segeltörn
Vor dem ersten Törn mit einer neuen Crew stellt sich irgendwann die Frage, wie die gemeinsamen Kosten für Diesel, Hafen und Proviant bezahlt werden. Lange war die Antwort ein Umschlag mit Bargeld, in den jeder zu Beginn denselben Betrag legt, und das war auch die einfachste Lösung. Heute ist die reine Bargeld-Kasse meist die aufwändigste, weil ein Teil der Ausgaben zwangsläufig daran vorbeiläuft und am Ende die Abrechnung so mühsam macht, etwa wenn die Marina nur Karte nimmt oder jemand beim Landgang spontan einkauft, ohne vorher zum Umschlag zu gehen.
Kurz gesagt:
- Die reine Bargeld-Kasse funktioniert nur, solange jede Ausgabe über den Umschlag läuft, was mit Kartenzahlung und spontanen Einkäufen meist nicht mehr gelingt.
- Kosten-Apps nehmen die Rechnerei ab, setzen aber voraus, dass am Ende jeder seine Ausgleichszahlung leistet, was in einer neuen Crew nicht sicher ist.
- Eine Einlage zu Beginn sichert ab, solange sich die Crew noch nicht kennt, und die digitale Buchführung unterwegs fängt alles auf, was nicht aus dem Umschlag bezahlt wird.
- Wer eine App nutzt, lässt am besten jeden seine Ausgaben selbst eintragen, weil dann niemand Belege und Nachrichten hinterhertragen muss.
Wie funktioniert die Bordkasse auf einem Segeltörn?
Die Bordkasse ist das gemeinsame Geld der Crew für alles, was der Törn als Ganzes kostet. Was daraus bezahlt wird und was jeder selbst übernimmt, etwa das Abendessen im Restaurant oder den Landausflug, lässt sich am besten schon vor dem Törn klären, zusammen mit den übrigen Unterlagen der Törnplanung.
Die klassische Bordkasse mit Bargeld
Zu Beginn des Törns zahlt jeder denselben Betrag in einen Umschlag oder eine Dose, und ein Crew-Mitglied übernimmt als Kassenwart die Kasse. Der Kassenwart führt ein Kassenbuch auf Papier, hebt die Belege im Umschlag auf und gibt Geld heraus, wenn jemand für die Crew einkauft. Wer ohne Bargeld aus der Kasse einkaufen war, bringt den Beleg mit und bekommt den Betrag zurück.
Das funktioniert gut, solange wirklich jede Ausgabe über den Umschlag läuft. In der Praxis gehen meist einzelne Belege verloren, und am Ende passen Kassenstand und Kassenbuch nicht zusammen, weil niemand mehr weiß, wer den Diesel beim Tankstopp ausgelegt hat und ob das Geld dafür schon aus der Kasse genommen wurde.
Warum Bargeld allein nicht mehr reicht
Immer häufiger lässt sich unterwegs gar nicht mehr bar bezahlen. Das Marina-Büro nimmt Karte, Liegeplätze werden vorab online gebucht, und für Strom und Wasser am Steg steht ein Automat, der nur Karten akzeptiert. Dazu kommt der spontane Einkauf beim Landgang, bei dem niemand vorher zum Umschlag an Bord geht.
Wie das anfängt, zeigt sich oft schon am ersten Morgen im Hafen. Zwei Frühaufsteher aus der Crew holen am Stadtkai Brötchen, während der Rest noch schläft. Der Umschlag bleibt an Bord, weil der Kassenwart noch in der Koje liegt, und beim Bäcker geht ohnehin nur Karte.
Die Brötchen werden also privat ausgelegt, und ab da laufen zwei Buchhaltungen nebeneinander, die Bargeld-Kasse im Umschlag und ein wachsender Stapel privater Auslagen, die nur im Kopf oder im Gruppenchat notiert sind. Am letzten Abend müssen dann Kassenbuch, Chat und Kontoauszüge zusammengelegt werden.
Kosten-Apps nehmen die Rechnerei ab
Apps zum Teilen von Ausgaben lösen das Problem der doppelten Buchführung, weil es keinen Umschlag mehr gibt. Jeder zahlt, wie es gerade passt, trägt die Ausgabe mit Betrag und Beteiligten ein, und die App führt die Salden mit. Am Ende schlägt sie die Ausgleichszahlungen von Person zu Person vor, sodass niemand mehr rechnen muss.
Bei Freunden, die sich kennen und auch nach dem Törn wiedersehen, ist das meist die einfachste Lösung. Sie setzt allerdings Vertrauen voraus, denn wer unterwegs viel ausgelegt hat, steht am Ende mit einem hohen Guthaben da und muss das Geld nach dem Törn bei den anderen einsammeln. In einer Crew, die sich erst an Bord kennengelernt hat, etwa über eine Mitsegel-Plattform, als Hand gegen Koje oder als Freunde von Freunden, bleibt das Risiko bei dem, der gezahlt hat.
Einlage plus digitale Buchführung
Für eine Crew, die sich noch nicht vertraut, bietet sich die Kombination aus beidem an. Zu Beginn zahlt jeder eine Einlage in die Bordkasse, bar an den Kassenwart. Unterwegs wird jede Ausgabe digital erfasst, egal ob sie aus der Kasse bezahlt oder von jemandem mit Karte ausgelegt wurde, und eine Auslage wird dann aus der Kasse erstattet oder gegen die Einlage verrechnet.
Die üblichen Kosten-Apps kennen allerdings keine gemeinsame Kasse, sondern teilen jeden Betrag nur auf Personen auf. Für dieses Modell braucht es eine Buchführung, die beides abbildet, die Bordkasse als eigenen Topf mit Einzahlungen und Ausgaben und daneben die Auslagen und Zahlungen der einzelnen Personen, damit sich beides gegeneinander verrechnen lässt.
Tipp: Der Kassenwart ist kein Gatekeeper
Der Kassenwart braucht nicht jede Buchung freizugeben oder selbst nachzutragen. Einfacher ist es, wenn jeder in der Crew seine Ausgaben selbst einträgt, sobald sie anfallen, weil dann niemand Belege und Nachrichten einsammeln muss. Seine Aufgabe bleibt, die Buchungen auf Vollständigkeit zu prüfen und Unstimmigkeiten innerhalb der Crew zu klären.