Die Sicherheitseinweisung vor dem Törn

Ein orangefarbener Rettungsring hängt an der Reling einer Segelyacht, dahinter das offene Meer
Der Rettungsring hängt an der Reling: Weiß die Crew, wer ihn im Ernstfall wirft?

Es ist der erste Morgen des Törns, die Crew sitzt beim Frühstück im Cockpit. Die Bootsübergabe und der Einkauf für den Proviant haben gestern gut geklappt, und die Stimmung ist eine Mischung aus Aufregung und Vorfreude auf die erste Etappe. Dem Skipper geht dabei schon einiges durch den Kopf, etwa ob das Wetter für den Tag passt, wie er das Ablegemanöver organisiert und ob der Ort, an dem die Crew heute Abend festmacht, windgeschützt liegt. Und vor allem: Wie führt er die Sicherheitseinweisung gleich durch? Immerhin wird mit ihr aus der Urlaubsstimmung zum ersten Mal auf diesem Törn so etwas wie ein Pflichtprogramm.

Kurz gesagt:

  • Die Checkliste für die Sicherheitseinweisung sollte schon einige Wochen vor dem Törn an die Crew verteilt werden, damit die Einweisung an Bord eine Wiederholung ist und keine Flut neuer Begriffe.
  • Die Rolle des Skippers ist meist bekannt, genauso wichtig sind die Regeln im Zusammenspiel mit der Crew, etwa die Übergabe am Ruder oder dass der Skipper bei jeder Änderung am Boot Bescheid bekommt.
  • Oft sind es scheinbar selbstverständliche Kleinigkeiten wie eine Hand fürs Schiff, die Unfälle verhindern, deshalb sollten sie in der Einweisung ausdrücklich erwähnt werden.
  • Für die Besprechung der Mensch-über-Bord-Situation sollte sich der Skipper auf ein einziges Manöver konzentrieren, das zu den Fähigkeiten der Crew passt, mit klaren Phasen und Rollen, damit jeder seine Aufgabe kennt.

Zum Mitnehmen

Was gehört in die Sicherheitseinweisung auf einer Segelyacht?

Eine vollständige Sicherheitseinweisung reicht von den Regeln an Bord über die Ausrüstung und die Technik des Boots bis zum Durchsprechen der Notfallsituationen, in denen jeder wissen muss, was zu tun ist.

Die oben verlinkte Checkliste deckt das im Detail ab und lässt sich als PDF herunterladen. Dieser Artikel geht nicht jeden Posten durch, sondern nur das, was bei der Einweisung typischerweise zu kurz kommt.

Die Sicherheitseinweisung vor dem Törn verteilen

Die Checkliste für die Sicherheitseinweisung sollte am besten einige Wochen vor dem Törn der Crew zur Verfügung gestellt werden, zusammen mit der Packliste und den übrigen Unterlagen, die bei der Törnplanung ohnehin verschickt werden.

Beim ersten Hören ist der Kopf meist damit beschäftigt, die vielen neuen Begriffe einzuordnen, vom Niedergang bis zum Seeventil, und für die eigentlichen Abläufe bleibt dann wenig Aufmerksamkeit. Kennt die Crew die Begriffe schon, kann sie das Neue an Bekanntes anknüpfen und hat mehr Kapazität für das, was nur an Bord zu zeigen ist, nämlich wo auf diesem Boot was liegt und wie es funktioniert.

Wer die Checkliste vorher gelesen hat, bringt außerdem die Fragen mit, die beim Lesen aufgetaucht sind, etwa zu einem Begriff oder einem Handgriff, den er noch nie gesehen hat. Der Skipper kann sie dann bei der Einweisung an Bord gezielt beantworten, oft gleich an der Stelle, um die es geht.

Rolle des Skippers: Verantwortung und Kommando

Die Rolle des Skippers ist den meisten an Bord bekannt, wichtiger für die Einweisung sind die Abläufe, die im Zusammenspiel mit der Crew daraus folgen. Das Ruder wechselt zum Beispiel nur mit einer ausdrücklichen Übergabe, bei der der neue Rudergänger die Übernahme bestätigt, damit zu jedem Zeitpunkt klar ist, wer steuert.

Genauso gehört dazu, dass der Skipper von jeder Änderung am Boot erfährt, etwa wenn eine Leine gelöst, ein Fender verlegt oder das Ankerlicht ausgeschaltet wird, weil er nur so den Überblick behält. Wie leicht das untergeht, zeigt sich oft in der hektischen Situation beim Anlegen, wenn der Skipper beim Festmachen hilft und ein Crew-Mitglied einfach das Ruder übernimmt oder den Gashebel bedient, ohne es ihm zu sagen, sodass in diesem Moment nicht mehr klar ist, wer das Boot gerade steuert.

Auch die selbstverständlichen Dinge erwähnen

Manches ist für den Skipper so selbstverständlich, dass er es kaum noch erwähnt, während die Crew es noch nie gehört oder auf einem anderen Boot anders gelernt hat. Dazu gehören zum Beispiel diese Regeln:

  • An Deck hält immer eine Hand fest und man fasst den nächsten Griff, bevor man den letzten loslässt, weil sich das Boot jederzeit plötzlich bewegen kann.
  • Den Niedergang geht man mit dem Gesicht zur Treppe hinunter wie auf einer Leiter, weil man sich so festhalten kann, wenn das Boot sich bewegt.
  • Beim An- und Ablegen steigt man erst über, wenn das Boot nah genug am Steg ist, weil sich der Abstand meist genau im Moment des Sprungs ändert.

Die Checkliste nennt noch einige mehr, von den Schuhen bei Manövern bis zur Reihenfolge beim Landstrom. Gerade diese einfachen Dinge verhindern auf einem Urlaubstörn viele typische Unfälle.

Das Mensch-über-Bord-Manöver

Ein Mensch-über-Bord-Manöver kennen die meisten Skipper aus der Ausbildung, aber nur selten aus eigener Erfahrung. Für die Einweisung sollte sich der Skipper deshalb auf ein einziges Manöver konzentrieren, das zu den Fähigkeiten der Crew passt, weil ein gut vorbereitetes Manöver im Ernstfall mehr hilft als mehrere, die nur halb besprochen sind.

Greifbar wird es, wenn der Ablauf in die vier Phasen Sichtkontakt, Annähern, Sichern und Bergen geteilt ist und zu jeder Phase feststeht, wer welche Aufgabe übernimmt. Am besten wird das Manöver gleich auf der ersten Etappe einmal geübt, solange die Einweisung noch frisch ist.

Weitere Artikel

  1. Was nehme ich auf einen Segeltörn mit?

    Die Packliste für den Segeltörn, geteilt in eine persönliche und eine gemeinsame Liste, mit dem, was an Bord meist fehlt, und dem, was man sich sparen kann.

  2. Einen Segeltörn planen

    Was vor einem Segeltörn zu organisieren ist, von der Route mit Aktivitäten über die Crew-Liste bis zu den Checklisten für Einweisung, Proviant und Packen.